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Architektur

Der Amateur-Architekt

Munger hatte keine formale Ausbildung in Architektur, entwarf aber trotzdem Gebäude – meist Studentenwohnheime – und machte die Befolgung seiner Baupläne zur Bedingung seiner Schenkungen. Daraus entstanden einige bewunderte Werke und einer der seltsamsten Streitfälle im amerikanischen Campusbau.

Im späteren Leben wurde die Architektur zu Mungers großer Leidenschaft. Er skizzierte Grundrisse, stritt mit Fachleuten und verschenkte zig Millionen Dollar unter der ausdrücklichen Bedingung, dass seine Entwürfe genau so gebaut würden, wie er sie gezeichnet hatte. Sein Leitgedanke war ein sozialer: Studentenzimmer eng packen, sogar fensterlos, um junge Menschen aus ihren Zimmern und in gemeinsame Gemeinschaftsräume zu drängen, wo – so glaubte er – die eigentliche Bildung geschieht. Die Idee war aufrichtig gemeint. Sie war aber auch, in ihrer ehrgeizigsten Form, Gegenstand einer öffentlichen Revolte.

Michigan: die ersten fensterlosen Zimmer

Mungers Schenkung von 110 Millionen Dollar an die University of Michigan finanzierte ein Wohnheim für Doktoranden – damals die größte Einzelschenkung in der Geschichte der Universität, wovon 10 Millionen Dollar für Stipendien zurückgelegt wurden. Um die Studenten in das Gemeinschaftsleben zu drängen, hatten viele der Zimmer in den zusammengefassten Einheiten keine Fenster. Munger hielt das Weglassen später für einen Fehler. Dort keine künstlichen Fenster einzubauen, sagte er, „war ein Fehler meinerseits“.

Munger Hall: die Revolte

Die Michigan-Idee kehrte, gewaltig vergrößert, an der University of California, Santa Barbara zurück. Im Jahr 2021 schlug Munger ein einziges elfstöckiges Mega-Wohnheim vor – rund 1,68 Millionen Quadratfuß, mit Platz für bis zu 4.500 Studenten –, bei dem etwa 94 % der Zimmer überhaupt keine Fenster hätten. Die Studenten würden in kleinen Einzelzimmern wohnen, die zu Acht-Betten-„Häusern“ zusammengefasst sind, mit künstlichen Fenstern, die das Tageslicht nachahmen sollten. Munger sagte, die Inspiration seien die Kabinen von Kreuzfahrtschiffen, wo Fenster rar sind und es niemanden stört, weil die öffentlichen Räume einladend sind. Er würde es mit einer Schenkung von etwa 200 Millionen Dollar finanzieren, unter der Bedingung, dass es nach seinem Entwurf gebaut würde.

Die Fachleute sträubten sich. Dennis McFadden, ein Architekt, der jahrelang im Gestaltungsbeirat des Campus gesessen hatte, trat aus Protest mit einem auf den 25. Oktober 2021 datierten Brief zurück und nannte das Projekt nicht vertretbar – „als Architekt, als Vater und als Mensch“. Der Kritiker Paul Goldberger war noch schärfer und beschrieb es als „einen grotesken, kranken Witz – ein Gefängnis, das sich als Wohnheim tarnt“. Die Geschichte ging durch die ganzen Medien, und der Entwurf überlebte diese Prüfung nicht. Das Projekt wurde 2023 aufgegeben.

Stanford: mit Fenstern

Nicht jedes Munger-Gebäude war ein Schlachtfeld. Sein Wohnheim für Doktoranden in Stanford – finanziert durch eine Schenkung von 500 Berkshire-A-Aktien aus dem Jahr 2004, im Wert von rund 43,5 Millionen Dollar – wurde mit Fenstern gebaut und beherbergte etwa 600 Doktoranden. Das fensterlose Konzept kam erst später; hier blickten die Zimmer hinaus in die Welt.

Harvard-Westlake

An der Harvard-Westlake School in Los Angeles, wo er lange Jahre Kuratoriumsmitglied war, half Munger, ein Naturwissenschaftszentrum zu finanzieren, das 1995 eröffnet wurde, sowie eine Bibliothek mit verschiebbaren Wänden. Diese Arbeit war weniger umstritten und langlebiger als die Wohnheime, die Schlagzeilen machten.

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